Die Anwohner des möglichen neuen Sportparks fühlen sich vom Bürgermeister überrumpelt
Bad Lippspringe. Rund 60 Anwohnerinnen und Anwohner, die unmittelbar von einer Sportfläche am Pracherfeld betroffen sind, haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Unter dem Motto: „Pro Sport – Am richtigen Ort“, wollen sich die Bürgerinnen und Bürger der Badestadt nun eigeninitiativ einbringen. Von Bürgermeister Ulrich Lange und der Stadtverwaltung fühlen sie sich übergangen.
„Es geht uns nicht darum, einen Sportpark zu verhindern. In der Initiative sind viele Familien mit sportbegeisterten Kindern vertreten. Dass Sport und Bewegung wichtig sind, steht außer Frage. Ein solch zentrales Projekt sollte jedoch nachhaltig und für die Zukunft ausgelegt sein. Dafür ist das Pracherfeld aufgrund von zahlreichen Faktoren ungeeignet. Die Belastungen für die angrenzenden Wohngebiete und die künftige Verkehrsanbindung sind nur zwei von vielen Problemen dort“, so Michael Prill als erster Vorsitzender. Neben ihm gehören Theresa Louven als Stellvertreterin und Hans Ludmann als Kassierer dem Vorstand an. Darüber hinaus gibt es weitere Beauftragte für die verschiedenen Themen, die in Sachen Sportpark zu bearbeiten sind.
Aus Sicht der neuen Bürgerinitiative sind es einige Gründe, die dem von der Stadt und vom Fußballverein BV Bad Lippspringe favorisierten Standort widersprechen. Einerseits gibt es große Bedenken bei den zu erwartenden Lärm- und Lichtimmissionen, denen die Wohngebiete im laufenden Betrieb des Sportparks täglich ausgesetzt wären. Andererseits ist es fraglich, wie die Verkehrsströme zur Sportfläche gehändelt werden sollen. Als Zufahrten stehen nur der als 30er Zone deklarierte „Am Beispring“ sowie die „Antoniusstraße“ und die „Heimatstraße“ zur Verfügung. Während die „Antoniusstraße“ an Kliniken vorbeiführt und sich dort aufgrund von am Straßenrand parkenden Autos schon jetzt täglich kleinere Staus bilden, ist die unbeleuchtete und schmale „Heimatstraße“ für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen nicht ansatzweise ausgelegt. Gerade in der dunklen Jahreszeit wäre das für Kinder, die mit dem Fahrrad zur Sportfläche fahren, gefährlich.
Die Bürgerinitiative ist entsprechend irritiert, wie offensiv und als vermeintlich alternativlos die Sportfläche am Pracherfeld bereits durch Bürgermeister Ulrich Lange und den BV Bad Lippspringe in der Öffentlichkeit angepriesen wird. „Die Stadtverwaltung hat es bislang nicht für nötig gehalten, mit uns Anwohnern über die Pläne zu sprechen. Als Ulrich Lange kurz vor dem Sportforum gemerkt hat, dass Unruhe herrscht, sollte am Abend vor der Veranstaltung im Hauruckverfahren ein Termin organisiert werden, damit er unsere Fragen kennt. Das ist keine gute Art“, bemängelt Prill. Auf dem Sportforum und einer weiteren gemeinsamen Veranstaltung der Jungen Union, der Stadt und des BVL seien dann bereits nahezu fertige Ansichten des Sportparks präsentiert worden. „Das dient einzig einer Emotionalisierung, die zu nichts führt. Niemand hier weiß, wie weit die Stadt in den Plänen schon fortgeschritten ist und wie viel das schon gekostet hat oder woher das Geld für einen Sportpark in Zeiten eines knappen Haushalts kommen soll. In Bad Lippspringe gibt es derzeit schließlich sehr viele Baustellen“, ergänzt Louven.
Darunter fallen zum Beispiel die auch für den Schulsport dringend nötige Sanierung der Dreifachhalle, fehlende Schwimmzeiten und generelle Bedarfe anderer Sportvereine in der Stadt neben dem Fußball. Diese Bedarfe würden vom Bürgermeister und der Stadtverwaltung derzeit „gefühlt weggewischt, weil der komplette Fokus anscheinend auf dem Sportpark liegt“, so der Vorstand von „Pro Sport – Am richtigen Ort“ weiter.
Die Bürgerinitiative wünscht sich mit Blick auf das bisherige Informations- und Kommunikationsverhalten von Ulrich Lange eine andere Art und Weise: „Es ist leider bekannt, dass der Bürgermeister gerne vorprescht, emotionalisiert und von einer großen Zustimmung zu seinen Ideen spricht, ohne vorab wirklich zu informieren. Die Verwaltung und auch der BVL sollten die Fronten nicht frühzeitig verhärten. Die Bürgerinitiative ist für den Start von konstruktiven Gesprächen offen, denn der Informationsbedarf ist hoch.“
Interessierte, die sich über die Hintergründe von „Pro Sport – Am richtigen Ort“ informieren oder Mitglied der Bürgerinitiative werden möchten, sind herzlich eingeladen, sich über die Mailadresse mail@pro-sport-am-richtigen-ort.de zu melden. Möglichkeiten dazu bietet auch die Homepage pro-sport-am-richtigen-ort.de. Der Jahresbeitrag der Mitgliedschaft beträgt zwölf Euro. Das Geld wird ausschließlich für die Zwecke der Bürgerinitiative eingesetzt.